Ausgezeichnet für Nachhaltigkeit: 3 Firmen bilanziert

31.10.2024 | GWÖ-Infos, Stiftung

Am 31. Oktober 2024 erhielten drei Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen Zertifikate für ihre ersten Gemeinwohl-Bilanzen. Mit diesem Berichtsformat wird sichtbar, was der Caritasverband Ruhr-Mitte, das Hofgut Schloss Hamborn und die Paderborner Energieberatung WERK.E bereits zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und auch, was sie noch verbessern können.

„Aktuell wird viel über Nachhaltigkeits-Regulierung aus Brüssel gesprochen“, erläutert unser Stiftungsmitarbeiter Dr. Christoph Harrach. „Das betrifft bisher nur große Unternehmen. Umso lobenswerter ist es, dass die beteiligten Firmen schon jetzt ihre sozial-ökologischen Auswirkungen in den Blick nehmen“.

Drei Bilanzen, viele Effekte

Caritas-Vorstand Dominik Spanke freut sich darüber, dass sich „abteilungsübergreifend eine neue Form des Zusammenwirkens etabliert“ habe. „Eine GWÖ-Bilanz erstellt man nicht nebenbei“, verdeutlicht sein Vorstandskollege Alexander Mauer: „Wir haben unsere Mitarbeitenden zur Beteiligung aufgerufen und vorbereitende Workshops veranstaltet. Durch diese Partizipation werden auch die Ergebnisse akzeptiert und inhaltlich nachvollzogen.“

Als konkretes Verbesserungsprojekt sei eine Befragung der Zuliefererbetriebe geplant, ergänzt Nachhaltigkeitsmanagerin Petra Backhoff. „Ebenso wollen wir noch in diesem Jahr ein Stimmungsbild in der eigenen Belegschaft erheben und haben beschlossen, unsere Auswirkungen auf Umwelt und Klima durch weitere Managementmaßnahmen regelmäßig zu erfassen und zu bewerten und damit letztendlich unseren Fußabdruck zu verringern“.

Im Hörsaal L1 der Universität Paderborn nimmt Petra Backhoff gemeinsam mit Alexander Mauer und Dominik Spanke das Gemeinwohl-Zertifikat für den Caritasverband Ruhr-Mitte von Dr. Christoph Harrach entgegen.

Für Gerd Bögeholz vom Hofgut Schloss Hamborn war die Gemeinwohl- Bilanzierung ein Weg, „unseren nachhaltig-ökologischen Ansatz sichtbarer zu machen. Dies ist ein klares Ergebnis der Bilanzierung gewesen, sie hat uns aber gleichzeitig Schwachstellen vor Augen geführt.“ So stehe für das Hofgut in nächster Zeit „die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation wie auch die Optimierung der Dokumentation im Vordergrund.“ Hierzu seien Projekte bereits eingeleitet, z.B. der neue Laden „Feld & Farm“ in Paderborn.

Im Hörsaal L1 der Universität Paderborn nimmt Gedr Bögeholz das Gemeinwohl-Zertifikat für das Hofgut Schloss Hamborn von Dr. Christoph Harrach entgegen.

Was das Team von WERK.E sich vornimmt, schildert Nachhaltigkeitsmanagerin Larissa Goldschmidt: Zentrales Ziel sei es, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern und alle Arbeitsprozesse so nachhaltig wie möglich zu gestalten. „Daran arbeiten wir aktiv und konnten erste Verbesserungen bereits umsetzen. Wir haben das Wohl unserer Mitarbeitenden noch stärker in den Fokus gerückt, indem wir ihnen durch kostenfreie Workshops in unterschiedlichen Lebensbereichen zur Seite stehen und unsere gesamte Zuliefererkette nach ökologischen und sozialen Standards umgestellt haben. Darüber hinaus haben wir unser Angebot zu Mobilität und betrieblicher Gesundheitsförderung weiter ausgebaut“.

Im Hörsaal L1 der Universität Paderborn nimmt Larissa Goldschmidt gemeinsam mit Sebastian Hund das Gemeinwohl-Zertifikat für die WERK.E Energieeffizienzberatung von Christian Einsiedel entgegen.

Beratungsteams aus BWL-Studierenden

Unterstützung bekamen alle drei Unternehmen von BWL-Masterstudierenden am Lehrstuhl von Prof. Dr. René Fahr, Vizepräsident der Universität Paderborn. „Für Bildungsangebote zur nachhaltigen Entwicklung sind zukünftige Entscheiderinnen und Entscheider eine wichtige Zielgruppe“, erläutert unser Stiftungsmitarbeiter Christian Einsiedel, der das GWÖ-Seminar gemeinsam mit Dr. Christoph Harrach konzipiert und unterrichtet hat. Dabei gehe es nicht nur um trockene Theorie, sondern vor allem um Gestaltungskompetenz und Reflexionsfähigkeit. „Die Studierenden konnten vom Uni-Seminar direkt in die Beratungsrolle schlüpfen und diese Kompetenzen so ideal weiterentwickeln. Gleichzeitig haben auch die Unternehmen von der Zusammenarbeit profitiert und viele neue Ideen mitgenommen“.

„Der Prozess war sehr spannend und aufschlussreich“, bestätigt Gerd Bögeholz vom Hofgut. „Vor allem die Interviews durch die Studierenden waren sehr interessant und haben zu einem gemeinsamen Lerneffekt geführt.“ Auch Dominik Spanke vom Caritasverband sieht „die Zusammenarbeit mit dem Beratungsteam sowie die offene und wertschätzende Kommunikation aller Beteiligten“ als Highlight, ebenso wie Larissa Goldschmidt von WERK.E: „Besonders hervorzuheben sind für uns die externen Perspektiven der Studierenden und anderen Teilnehmenden, die unsere interne Sicht hervorragend ergänzt haben.“

Alle drei Firmen sind gemeinsam durch den Prozess gegangen und stellen ihre Berichte nun online. Darin liege „eine weitere Besonderheit der Gemeinwohl-Bilanz“, so Berater Dr. Christoph Harrach. Sie ist “mehr als reines Marketing mit Nachhaltigkeitsthemen, weil nicht nur über Positives, sondern auch über kritische Themen berichtet werden muss. Diese Transparenz regt Organisationsentwicklung an“, ergänzt sein Kollege Christian Einsiedel.

Impulse zur Transformation

WERK.E-Geschäftsführer Sebastian Hund bestätigt, dass die Gemeinwohl-Bilanz „einen tiefgehenden und reflektierten Blick auf das eigene Unternehmen ermöglicht, den man selten auf andere Weise erhält. Dabei werden nicht nur praxisnahe Tipps zur Umsetzung gegeben, es wird auch Raum für Diskussionen geschaffen.“

Caritas-Vorstand Alexander Mauer hebt hervor, „dass Leistung und Erfolg auch bei Wohlfahrtsunternehmen weitaus mehr sind, als eine rein ökonomische Betrachtung darstellen kann. Aspekte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Mitbestimmung sowie die Auswirkungen unseres umwelt- und klimarelevanten Handelns spielen für die Gesellschaft eine existenzielle Rolle und bedeuten die Grundlage unseres täglichen Handelns.“

Sein Kollege Dominik Spanke empfiehlt daher auch anderen Firmen, sich diesem Prozess zu stellen: „Veränderungen gehören zum Bestehen in der heutigen Zeit dazu. Wir alle müssen gemeinsam ein aktiver Teil der anstehenden Transformation sein.“

Verliehen wurden die Zertifikate im Anschluss an den Vortrag „Nachhaltigkeit als Unternehmensphilosophie“ von Gemeinwohl-Ökonomie Pionierin Dr. Antje von Dewitz im Rahmen der Ringvorlesung “UPB for Future” an der Universität Paderborn (hier alle Infos).

Gruppenbild nach Übergabe der drei Gemeinwohl-Bilanzen am 31.10.2024 an der Universität Paderborn

Im Bild v.l.n.r.: Sebastian Mörchel, Lennart Hüveler (beide Studierende), Dominik Spanke (Caritasverband Ruhr-Mitte), Dr. Christoph Harrach (Lehrbeauftragter & Gemeinwohl-Berater), Petra Backhoff, Alexander Mauer (beide Caritasverband Ruhr-Mitte), Larissa Goldschmidt, Sebastian Hund (beide WERK.E), Gerd Bögeholz (Hofgut Schloss Hamborn), Prof. Dr. René Fahr (Vizepräsident Universität Paderborn), Leonie Happe (Studierende), Christian Einsiedel (Lehrbeauftragter & Gemeinwohl-Berater). Die weiteren Bilder zeigen die Zertifikatsübergaben an die Vertreter:innen der drei Unternehmen. Alle Fotos: Friederike Marie Haver/Universität Paderborn.

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